Die drei ??? und der Nebelberg – Rezension

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Ein Nebelberg, eine verlassene Goldmine und ein Phantom!

Klappentext:

Eine Wandertour in den Rocky Mountains — Peter und Bob sind begeistert! Doch unterwegs hüllt auf einmal ein undurchdringlicher Nebel den Berggipfel ein und die Wandergruppe wird von einer geisterhaften Erscheinung überrascht. “Das Phantom ist zurückgekehrt”, murmeln die Alten des nahe gelegenen Bergdorfes. Da fängt der Erste Detektiv Feuer, denn neben der körperlichen Anstrengung sind jetzt seine Gehirnzellen gefragt. Was steckt hinter der Spukerscheinung? Die drei ??? müssen diesmal besonders klug vorgehen, um die wortkargen Einsiedler im Bergdorf zum Sprechen zu bringen.

Diese Rezension enthält nur kleine Bemerkungen zum Inhalt des Falles. Eine kurze Inhaltsangabe habe ich in einem anderen Artikel gegeben.

Die Buchvorlage

André Marx hat das Buch geschrieben. Ich konnte es sehr gut in einem Rutsch durchlesen. Da ich das Hörspiel schon seit Jahren gehört hatte und den Fall deshalb so gut kannte, war ich doch sehr gespannt, wie die Buchvorlage war.

Und ich wurde nicht enttäuscht! Der Fall beginnt mit “der Socken-Szene”: Peters Reisewecker weckt Bob und Justus mitten in der Nacht und sie wecken ihren Kollegen, der natürlich noch tief und fest schläft. Da es drei Uhr nachts ist, sind sie schlecht gelaunt und zicken sich an. Dieser Einstieg ist sehr gut, weil ich das Kabbeln der drei Detektive mag.

André Marx hat in diesem Fall ein neues Stilmittel ausprobiert. Der Text der eigentlichen Geschichte wird gelegentlich von Einträgen aus Bobs Reisetagebuch unterbrochen. Dadurch wird der Erzählfluss zwar unterbrochen, ich habe das aber nicht als störend empfunden. Ich finde, dass dieses Stilmittel etwas Abwechslung bringt. Zudem erhalten wir durch den Tagebuchcharakter einen Einblick, wie Bob sich fühlt. Dadurch wird die Atmosphäre noch unterstützt und es wird deutlich, wie groß die Angst der Jungs vor dem Phantom ist.

Apropos Angst: Peter darf als „Schisser vom Dienst” natürlich auch wieder ängstlich sein und nachts im Zelt vorsichtig fragen, ob sie nicht lieber die Wanderung abbrechen wollen.

Dieser Fall lebt für mich von der Atmosphäre, die André Marx sehr gut schildert. Er beschreibt die schöne Landschaft im Kontrast zu den schroffen Felsen, dem undurchdringlichen Nebel, und auch die Einsamkeit auf dem Berg wird sprachlich gut rübergebracht.

Der Autor wechselt gut zwischen ruhigen atmosphärischen Szenen und Action-Momenten, die wie in der Reihe üblich als Cliffhanger ein Kapitel abschließen.

Die Geschichte selbst gefällt mir gut. André Marx verarbeitet hier die Motive „Schatzsuche”, „entflohener Sträfling” und „Phantom”, die in der Reihe des öfteren schon aufgetaucht sind. Die Enttarnung des Phantoms als Verbrecher findet anders als in anderen Fällen erst zum Schluss statt, vorher bleiben Leser und auch die Detektive im Dunkeln.

Entfernte verwandte Fälle kann man aus den verwendeten Motiven ausmachen:

  • Das Gespensterschloss, da hier auch mit Ton und der Wirkung auf Menschen gearbeitet wird (der vom Tonband kommende Schrei des Phantoms)
  • Die Silbermine, da hier ein Toter in einer Mine gefunden wird.
  • Das Aztekenschwert, da hier ein Skelett einer wichtigen Person der Handlung gefunden wird.

Diese Details der Handlung haben vielleicht für mich dazu geführt, dass sich der Fall wie ein Klassiker angefühlt hat.

Für wen ist das Buch nun geeignet? Fans atmosphärischer Fälle werden hier voll auf ihre Kosten kommen. So richtig gruselig wird es allerdings nicht. Action-Freunde werden hier eher nicht glücklich werden, da die entsprechenden Sequenzen nur zur Abwechslung eingestreut sind.

Die Hörspielumsetzung

Die Sprecherleistung fand ich gut bis sehr gut. Die Hauptsprecher geben die Detektive wie gewohnt sehr gut eingespielt; stellenweise finde ich ihre Leistung grandios – wie zum Beispiel in der Eingangsszene, in der sich Oliver Rohrbeck und Andreas Fröhlich maulig und zickig über Peters nervigen Reisewecker beschweren. Jens Wawrczeck hat mehrfach Gelegenheit, einen nahezu hysterischen Peter zu sprechen. Andreas Fröhlich kann in den gelesenen Tagebuchteilen einen ruhigen reflektierenden Bob zeigen.

Bei den Nebensprechern hat mir Wolfgang Hartmann als Sprecher von Mr Falkner am besten gefallen. Ich finde die Stimme sehr passend besetzt, da sie ganz besonders die Legende um das Phantom vom Nebelberg gut transportiert.

Auch Musik und Geräusche haben mir bei diesem Hörspiel sehr gefallen. In der Regel rauscht die Begleitmusik der Hörspiele unbemerkt an mir vorbei. Hier jedoch nicht; sie wird finde ich passend eingesetzt und unterstützt die Atmosphäre sehr gut. Die Klangeffekte sind ebenfalls sehr passend gewählt. Sie wechseln zwischen ruhigen Effekten, die die Atmosphäre unterstützen, und Knalleffekten.

Die Kürzungen der Rahmenhandlung gehen in Ordnung, da das Hörspiel für mich trotzdem sehr gut funktioniert hat. Sie hätten allerdings Einiges für den Hörer besser erklärt. Ein Beispiel: Warum wandern die Detektive auf einen Berg, wo doch Justus körperliche Anstrengung so hasst? Antwort: Justus hatte der Wanderung unter der Voraussetzung zugestimmt, dass er die Route planen darf; sie gehen auf den Berg, weil sie ihre Wanderkarte verloren und sich dann verlaufen haben.

Warum das Ende allerdings umgeschrieben und die Flucht in die Mine samt Hinterhalt gestrichen wurde, verstehe ich nicht. Dieser actionreiche Abschluss hätte gut gepasst.

Für wen ist das Hörspiel geeignet? Hörer, die sich von einer inhaltlich wie klanglich schön gemalten Atmosphäre angezogen fühlen, werden das Hörspiel lieben. Ich habe das Hörspiel schon sehr oft gehört, weil es so atmosphärisch ist. Der Schrei des Nebelphantoms schreckt mich allerdings immer wieder auf …

Fazit

Buch und Hörspiel stechen für mich nicht wegen der eigentlichen Handlung aus der Masse der Fälle heraus, sondern wegen der Atmosphäre, die beide ausstrahlen. Sie sind jeweils ganz oben in der Liste meiner Lieblingsfälle.

Weiterlesen

Dieser Fall wurde von André Marx geschrieben. Er erschien 2002 als Buch und als Hörspiel (beides Amazon-Links).

Die Jungs vom spezialgelagerten Sonderpodcast haben das Hörspiel besprochen und ich war als Gast geladen.

Der Buchwurm hat eine sehr schöne Rezension verfasst.

Die Rezensionen auf 3fragezeichen.de sind mehrheitlich positiv, finden aber gelegentlich das letzte Drittel schwach.